Such Dir eine Euro-Final-Stube

Zitat:  
Statt früher vom OpenAir nach Hause den EM-Final bequem in St. Gallen gucken: Das will der Verein Wireless für auswärtige Fans möglich machen. Gastgeber und Gäste sollen über eine Internetplattform zueinanderfinden.
St. Galler Tagblatt, 18.01.2008
Daniel Klingenberg
   
 

«Zu Gast bei Freunden»: Mit diesem Slogan startete Fussball-WM-Gastgeber Deutschland vor zwei Jahren seine Charme-Offensive. Und auch die Schweiz bekommt im Hinblick auf die Euro 08 Nachhilfe in Sachen Freundlichkeit: 12,5 Millionen Franken lassen sich Bund und Schweiz Tourismus die Image-Politur kosten. Weil die Vorfreude nicht gerade zum Himmel wächst, fürchtet man, die Schweiz würde sich dem Ausland als zu griesgrämig präsentieren.
Kritik am OpenAir

Auch in St. Gallen fürchtet man um den Ruf: Am 29. Juni findet nämlich der Euro-08-Final statt, und gleichzeitig endet das OpenAir St. Gallen. Das OpenAir bietet aber Fussballfans keine Übertragung auf Grossleinwand an – was in Internetforen zu lautstarker Kritik geführt hat. Die «grösste Party der Ostschweiz» mit 30 000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag bringe es nicht fertig, den Grossanlass Euro 08 mit einzubeziehen, hiess es. Es würden nur zwei Wege bleiben: Entweder man fahre früher heim – das Spiel beginnt um 20.45 Uhr –, oder man bleibe in der Stadt, schaue den Final und fahre am Montagmorgen mit dem ersten Zug heim.

Gastgeber per Mail finden
Seit gestern gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Man meldet sich beim Verein Wireless St. Gallen für das «Open EM Watching». Mit etwas Glück kommt man zu einem EM-Final am TV von «aufgestellten, flexiblen und unkomplizierten» St. Gallern. So steht es auf der Homepage des Vereins Wireless, der zusammen mit der Stadt St. Gallen auch den kabellosen Internet-Empfang aufgebaut hat. Wer will, könne auch Sonderwünsche wie «Biermarke» oder «Übernachtungsmöglichkeit» angeben.

«Keine Deutschlandfans bitte»
Wo es eine Nachfrage gibt, muss auch ein Angebot sein. Deshalb kann man sich auch als Gastgeber melden – unter den Zusatzwünschen ist laut Homepage auch «keine Deutschlandfans bitte» denkbar. Nach Angaben der Initianten haben sich gestern nachmittag bereits drei WGs aus der Gallusstadt als Gastgeber gemeldet. Allerdings noch nicht definitiv, da sie die endgültige Zusage noch mit ihren WG-Kolleginnen und -Kollegen absprechen müssten.

Auch auf OpenAir-Homepage
Die Verbindung zwischen Gästen und Gastgeber stellen die Initianten vom Verein Wireless her. Wer sein Wohnzimmer fürs Euro-Final-Fest anbietet, ist also nirgends auf dem Internet zu sehen. Ebenso können sich Gastgeber nicht Interessenten herauspflücken. Abgeklärt wurde auch, ob die Hausherren – wie die Wirte – für die Fussballübertragungen bezahlen müssten. Dies ist nicht der Fall. Anbieter und Gäste werden laut Internetseite in der ersten Juniwoche informiert, wer bei wem Fussball gucken kommt.

Mit ihrer Idee wollen die Wireless-Leute etwas gegen das eher «gastgeberunfreundliche» Image der Ostschweiz und St. Gallens tun. Eine grosszügigere Geste habe die Gallusstadt noch nie gesehen, heisst es auf der Homepage. Man wolle vorhandene Ressourcen gemeinsam nutzen. Ab der kommenden Woche wird auch das OpenAir St. Gallen auf seiner Homepage mit einem Link auf das Angebot verweisen.