Sie bauen zusammen ein Stadtnetz

Zitat:  
Es gehe günstiger und persönlicher, finden Tüftler. Sie bauen zusammen nicht kommerzielle Funknetzwerke. Auch in Bern.
BZ, 06.06.2007
Mathias Born
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Das Wireless-Lan-Gerät steht auf dem Fenstersims. Und nein, um darüber zu surfen, braucht man kein Passwort. Während sicherheitsbewusste Nutzer ihre Funknetze abschotten, machen die Openwireless-Mitglieder genau das Gegenteil: Sie laden die Nachbarn zum Mitsurfen ein.

Einige wollen mit dem Internet-Teilet Geld sparen – die Kapazität der Breitbandanschlüsse reicht oft für mehr als einen Haushalt. Andere schätzen am Netz eher den sozialen Aspekt: Durchs Einrichten der gemeinsamen Geräte lernen sich Nachbarn kennen. Und noch andere reizt die technische Spielerei.

«Openwireless bietet Netzzugang auf der Basis von "Mitfahrgelegenheiten"», erklärt Lorenz Schori, ein umtriebiger Mitarbeiter im Projekt: «Wer einen Internetanschluss hat, stellt ihn zur Verfügung. Wer einen Zugang braucht, benutzt ihn mit.»

Derzeit sind im Kanton Bern rund 40 Openwireless-Zugangspunkte in Betrieb. In der Stadt Bern stehen die meisten im Breitenrain- und Länggassquartier. Weitaus grösser ist das Schwesterprojekt in St.Gallen: Zusammen mit den Elektrizitätswerken und der Universität versorgt Openwireless dort fast die gesamte Stadt. Weiter ist auch das Projekt auf der Riederalp: Damit auch die Gäste in Chalets surfen können, stellen dort diverse Anwohner ihren Internetzugang zur Verfügung.

Wer bei Openwireless mitmachen will, braucht ein bestimmtes Wireless-Lan-Gerät: Auf diesen sogenannten Router muss – wie online dokumentiert – eine neue Software kopiert und diese konfiguriert werden. So vorbereitete Geräte verbinden sich automatisch miteinander. Der Vorteil dieser sogenannten Mesh-Technik: Mit jedem Router wächst das Netz. Da nicht jeder Zugangspunkt direkt ans Internet angeschlossen sein muss, können die Standorte flexibel gewählt werden. The Net und die Swisscom benutzen intern teils dieselbe Technik. Und Fon.com funktioniert ähnlich.

Was will die Gemeinschaft in der nächsten Zeit in Bern erreichen? «Wir versuchen Standorte an öffentlichen Plätzen zu erschliessen», sagt Lorenz Schori. Er hoffe, dass sich nebst Privatpersonen vermehrt auch Wirte für das nicht kommerzielle Projekt begeistern liessen. Um hingegen ein grosses Projekt wie in St.Gallen durchziehen zu können, brauche die Gemeinschaft starke Partner, führt Schori aus. «Sollten wir solche finden, steht einem stadtweiten Netz kaum etwas im Weg.»