OLPC / Ondalivre – verschiedene Blickwinkel

Zitat:  
OLPC / Ondalivre, Schulen in Entwicklungsländern ans Internet
x-event.designo.ch, 18.09.2008
Stefan Rovetto
Blogspot.com  

 
  • Die Vision von OLPC ist, dass jedes Kind weltweit einen Computer besitzt
  • Ondalivre verbindet die OLPCs mit dem Internet und öffnet den Kindern die Türen

Das Projekt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet...

Interview mit Michele Notari, Beatrice Tobler, Marques Madeira Hernani und Stefan Rovetto


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Transcript
Die Vision von OLPC ist, dass jedes Kind weltweit einen Computer besitzt

Haben Kinder Zugang zu Computer, eignen sie sich Medienkompetenzen an

Toll, mit meinem OLPC habe ich Medienkompetenzen bekommen, aber wer verbindet meinen OLPC mit der Weltgemeinschaft?

Ondalivre verbindet die OLPCs mit dem Internet und öffnet den Kindern die Türen

Die Idee Ondalivre fördert den kabellosen Zugang zu Informationen weltweit

Das Projekt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet...

Michele Notari: Ich heisse Michele Notari, ich bin von der Organisation OLPC Schweiz. Das Grundkonzept der OLPC Vision ist der freie uneingeschränkte Zugang zu Informationen. Jedes Kind auf dieser Welt müsste die Möglicheit haben, Applikationen im Web zu verwenden und Informationen aus dem Web abrufen zu können.

Beatrice Tobler: Ich stelle mich kurz vor. Ich heisse Beatrice Tobler, bin Kuratorin im Museum für Kommunikation in Bern.

Vernetzung macht verletzlich. Ich finde, es ist ein gutes Thema in diesem Zusammenhang. Es geht um die Frage, dass wenn man sich mit anderen Menschen vernetzt, sollte man sich bewusst sein, dass es eine Kompetenz braucht als Voraussetzung, um herauszufinden wem kann ich vertrauen und wem nicht. Dies ist eine Medienkompetenz, die es braucht. In den Schulen sind Kinder, die lesen und schreiben können, aber nicht viel Erfahrung haben, im Umgang mit Medien. Es wäre also ein logischer Schluss, die Kinder zuerst über das Medium Computer aufzuklären, auf Gefahren aufmerksam machen und gleichzeitig vermitteln, dass, wenn die Kinder anschliessend ins Netz gehen, sie genauso behutsam mit Informationen umgehen, wie sie es selbst gerne hätten, also den Boden von Vertrauen, Ethik und Verantwortungsbewusstsein

Stefan Rovetto: Mein Name ist Stefan Rovetto, ich engagiere mich in der Freifunk / Openwireless Szene in der Schweiz. Für mich bedeutet das Projekt Schulen in Schwellen-/ Entwicklungsländer ans Internet

  • Kinder finden neue Wege, sich auf Ihre Art ausdrücken zu können
  • Der Zugang ins Internet bedeutet, dass Schul- und Basiswissen neu in einer interaktiven, vielfältigen Form vermittelt werden kann
  • Kinder lernen andere Kulturen kennen
  • überhaupt besteht erst die Möglichkeit, grenzenüberschreitend zu Kommunizieren, auf dies Art lernen Kinder jetzt, wie man sich in der globale Welt bewegen kann

Beatrice Tobler: Sobald man sich in ein Netzwerk begibt, es handelt sich hier um ein Graswurzel Netzwerk, mit diesem Mesh Netzwerk muss man sich das Bewusstsein schaffen, welche Bedeutung es hat, wenn man sich mit jemanden vernetzt, den man eigentlich nicht kennt. Eine Qualitätskontrolle oder einen Anhaltspunkt für Vertrauenswürdigkeit kann a Priori bei allen Teilnehmer von diesem Netz nicht vorausgesetzt werden.

Michele Notari: Diese Geräte können nicht nur dazu verwendet werden, Informationen aus dem Netz zu beziehen. Die Geräte sind so aufgebaut, dass man vorwiegend zusammenarbeiten kann. Zusammenarbeit und Kommunikation ist eines der Grundthemen, eines der wichtigsten Themen überhaupt, das wir propagieren möchten. Das heisst, die Kinder sollen lernen, zusammen zu arbeiten in formalen und nonformellen Lernsituationen. Das heisst einerseits in der Schule aber auch untereinander selber sich vernetzen und Informationen auszutauschen.

Beatrice Tobler: Das One Laptop per Child ist ein Projekt, das von den Regierungen aus geht. Eigentlich ist es gewagt, solch ein Projekt mit einem Graswurzelprojekt zu verknüpfen, das davon lebt, das Aktivismus von unten betrieben wird. Dass man zwei solche Bereiche zusammenbringt und dass man aus dem heraus etwas entstehen lässt. Nun könnte man sich fragen, mmh - ist so etwas überhaupt vereinbar? Die Zukunft wird es zeigen, ob es möglich sein wird. Das heisst, besteht ein solcher Graswurzelzugang, dies ist ein Zugang, dabei sind stetige Veränderungen innerhalb des Projektes möglich. Wenn das Ganze jetzt von Regierungen geplant wird, dann würde man jahrelang planen, irgendwann würde man ein landesweites Netzwerk bewilligen oder nicht bewilligen und dann noch bauen. Bei einem Graswurzelprojekt fängt man einfach mal an. Der landesweite Blick fehlt, sondern es wird an einem Ort angefangen. Dies kann natürlich schief gehen, es kann aber auch etwas daraus entstehen.

Ich denke, es birgt Gefahren aber auch die Möglichkeiten, wenn man ein solches Netzwerk aufbaut, und diesen Leuten diese Technologie zur Verfügung stellt, dass es für etwas ganz anderes gebraucht wird, weil sie einen anderen kulturellen Hintergrund und eine andere Art haben, miteinander zu kommunizieren, auch andere Kommunikationsbedürfnisse haben. Daraus entsteht etwas, auf das widerum reagiert werden kann. Ich glaube, das kann ein Potential sein von solch einem Zugang von unten. Also von einem Ad-hoc Aktivismus, das rollend geplant werden und spontan ein Projekt verändert werden kann. Es kann aber auch in eine Richtung laufen, in der es nicht mehr zu kontrollieren ist. Wenn alles von den Regierungen aus her geplant worden wäre, wäre man dieser Gefahr eventuell weniger ausgesetzt. Ich hoffe natürlich, dass dieses Projekt möglichst viele überraschende Wendungen nehmen wird und dass alle Seiten davon profitieren können.

Marques Madeira Hernani: Ich bin vom Caos Computer Clup Zürich, Hernani ist mein Name. Es steht bereits in der Hacker Ethik drin, dass der Zugang zu all dem, das beschreibt, wie unsere Welt funktioniert, dass der Zugang dazu vollständig offen sein sollte. Das ist eine grundlegende Forderung der Informationsfreiheit. Es gibt in einer ganzen Klasse vielleicht ein einziges Mathematik Buch. Wenn es nun möglich wäre, dass diese Menschen mit dem Computer auf Wikipedia oder überhaupt auf freie Inhalte zugreifen könnten, am besten noch in ihrer eigenen Sprache oder auf andere Projekte - es existieren Schwesternprojekte von Wikipedia, dann würde sich die Bildungssituation markant verbessern, behaupte ich nun mal. Man müsste den Menschen eine gewisse Medienkompetenz vermitteln können, so dass Sie mit dieser Technologie umzugehen verstehen.

Michele Notari: Sie kennen alle Wikipedia als eines der grössten Nachschlagewerke, das in den meisten Länder frei zugänglich ist. Es kann durchaus sein, dass durch unsere Initiative eine kleine Wikipedia in einem Land entstehen könnte, in der es darum geht, dass lokale, aber wichtige Informationen einer ganzen Gemeinschaft zugänglich gemacht werden könnte.

Besucherin Informatica'08: Ich würde es sehr gut finden, wenn Schüler, die weit von der Schule entfernt wohnen, wenn diese zum Beispiel ihre Hausaufgaben per E-Mail von Zuhause aus machen könnten. Von dem her, finde ich es eine gute Sache. Es gibt sicher Nachteile aber auch viele Vorteile.

Beatrice Tobler: Stichwort Medienkompetenz. Wenn ein solches Laptop in ein Schwellenland in eine Schule geschickt wird in der Bücher vorhanden sind, dann stellt sich mir die Frage, ob das Lesen am Computerbildschirm überhaupt funktioniert, wenn diese Schritte sich in ein Buch zu vertiefen, ausgelassen werden. Das Lesen am Computer ist viel flüchtiger als beispielsweise das Lesen in einem Buch und wir, die heute Computer benutzen, haben eine gewisse Mediensozialisation hinter uns. Wir haben einmal sprechen, lesen und schreiben gelernt.

Das vertiefte einlassen mit einem Text haben wir uns mit Bücher angeeignet und am Computer machen wir eher schnelle, flüchtige Sachen, und dann ist für mich schon die Frage, funktioniert das in einer Schule? Kinder sind in der Startphase, sie können sprechen, sie lernen gerade lesen und schreiben. Wenn man ihnen einfach ein Laptop hinstellt, der eigentlich eher für den flüchtigen Gebrauch gedacht ist, ob es dann funktioniert, ob sie dieses Tool annehmen können um sich Medienkompetenzen aneignen zu können, um sich die Sprache anzueignen, um sich Wissen anzueignen.

Dann noch zu dem Projekt Ondalivre, wo es auch darum geht, einen internationalen Erfahrungsaustausch zu haben. Dahinter steckt die Idee, dass nicht nur wir ein gewisses Sendungsbewusstsein haben und Entwicklungsarbeit machen und unsere tolle Technologie in die armen Länder bringen, sondern die Idee dabei ist, dass auch etwas zurückkommt. Nun fände ich es spannend, auf unserer Seite abzuklären

  • was sind überhaupt die Bedürfnisse von Schüler, Schülerinnen, Kinder, Jugendliche bei uns?
  • sind sie überhaupt interessiert an einem kulturellen Austausch?
  • sind sie auch an einem technologischen Austausch interessiert?
  • sind das Bedürfnisse, die vorhanden sind, sind es Bedürfnisse, die geschaffen werden könnten, braucht es eine kleine Motivationsspritze und plötzlich entstehen Bedürfnisse?

Ich kann mir vorstellen, dass es ein tolles Ergebnis sein könnte, wenn man Kinder bei uns für globale Zusammenhänge sensibilisieren könnte, indem sie Kontakt haben mit Kinder in Dritt-Welt und Schwellenländer. Dass ein politisches Bewusstsein bei diesen Jugendlichen geschaffen werden könnte, einfach aus diesen persönlichen Begegnungen heraus und dort sehe ich ein Potential bei diesem Projekt. Ich hoffe, dass dies genug zum tragen kommt, dass es nicht nur um Entwicklungsarbeit geht, sondern dass es auch um den Part geht, dass wir in der Schweiz beispielsweise, wenn eine Partnergemeinde für das Projekt gefunden wird, dass Schüler, Schülerinnen, Kinder, Jugendliche etwas daraus ziehen können, schlussendlich auch die Schweiz. Wenn man davon ausgeht, dass sich alles multipliziert, dass ein globales polititsches Bewusstsein geschaffen werden könnte, hier hat die Schweiz doch auch Entwicklungsbedarf - oder?

Tags – OLPC Ondalivre Schwellenländer Schulen ans Internet Zugang Freifunk Openwireless Kinder Laptop Bildungspartnerschaft

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