Surfen auf der Riederalp

Zitat:  
Das Notebook kommt mit in die Ferien. Selten findet man aber einen kostengünstigen Internetanschluss. Anders auf der Riederalp: Dort surfen Gäste und Einwohner über ein nicht kommerzielles Dorfnetz.
espace.ch, 20.04.2007
Mathias Born
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Auf dem Gletscher gratis surfen? Nein, das ist auch im Aletschgebiet nicht möglich. Surfen vor der Bergkulisse hingegen schon: Die Riederalp bietet den Gästen als erste Tourismusdestination in der Schweiz einen offenen drahtlosen Internetzugang an. «Das Notebook (und ein wirelessfähiges Handy) gehört heute zur Standardausrüstung vieler Gäste», sagt Alexander Buchner, Leiter von Riederalp Mörel Tourismus. Zwar hätten einige Hotels bereits vorher ihren Gästen einen Internetzugang zur Verfügung gestellt, aber bloss wenige Vermieter von Ferienwohnungen. Via das Funknetz könnten nun auch diese etwa ihre Ferienfotos ins Netz stellen, die Aktienkurse im Auge behalten oder am Abend aus der Ferienwohnung die E-Mails beantworten (oder gratis über Skype, Citytel, Sipcall nach Hause telefonieren). «Das ist vielen Gästen ein Bedürftnis. Wir haben vorab positive Rückmeldungen erhalten.»

Die Riederalp hat eine unkomplizierte Lösung gewählt, um die Einwohner und Gäste online zu bringen: Die Abonnenten von Internet-Breitbandanschlüssen stellen diesen den anderen über ein Funknetz zur Verfügung. «Wer hat, der gibt, wer braucht, der nimmt», sagt Buchner. Einen Technikraum braucht es dafür nicht, und auch keine grossen Antennen. Stattdessen stellen die Sponsoren Microsoft, Intersport und Belowzero den Interessenten Wireless Lan Router (inkl. div. Equipment) im Wert von insgesamt 20'000 Franken zur Verfügung. Das Jugendteam hat mit Hilfe der Gemeinschaft Openwireless.ch die Geräte mit neuen Programmen ergänzt und sie auf Fenstersimsen und Wänden montiert. Dank der Software verbinden sich die Router zu einem Dorfnetz - so dass auch die Bewohner des Nachbarhauses surfen können. Derzeit sind 35 Zugangspunkte (Hotspots) in Betrieb (davon haben 10 einen eigenem ADSL Anschluss. Die Redudanz und Stabilität des Netzes entsprechend hoch); im Endausbau sollen es inklusive der Weiler und der Talgemeinde 60 werden. Auch wenn es mit der unkomplizierten Lösung keinen garantierten Zugang gibt: Mittlerweile sei es in fast jedem Haus möglich, online zu gehen, sagt Tourismusdirektor Alexander Buchner.

Auch anderorts wird an ähnlichen Funknetzen gebaut. Weit fortgeschritten ist das Projekt in Sankt Gallen. Auch viele Hotelbetreiber und Tourismusdestinationen haben das Bedürfnis erkannt. Die meisten lassen ihre Gebäude von Anbietern wie der Swisscom oder Monzoon mit einem Wireless Lan ausstatten. Wer über ein solches sufen will, muss aber teils happige Gebühren bezahlen.